Wie alle anderen Tiere, aber auch der Mensch, infizieren sich Igel im Laufe ihres Lebens mit Parasiten. Zwischen den Stacheln hüpfen munter Flöhe herum, Zecken setzen sich an der Haut fest, saugen Blut und werden von Tag zu Tag größer bis sie schließlich lockerlassen und abfallen. Pilz- und Milbenbefall sind nicht immer gut zu erkennen, führen aber zu Stachelausfall. Am schlimmsten sind jedoch die Larven der Schmeißfliegen. Kotuntersuchungen zeigen, dass Igel fast immer auch noch von Innenparasiten befallen sind. Meisten handelt es sich um Fadenwürmer, zu denen die oft genannten Lungenwürmer und die Spulwürmer gehören.

Inzwischen sind viele Medikamente auf dem Markt, die wichtigsten haben die Tierärzte oft parat. Muss ein Mittel unter die Haut gespritzt werden, dürfen Sie das nicht selbst machen. Da Igel Wildtiere sind, ist der Arztbesuch meistens kostenfrei, für Medikamente sollten Sie einen Beitrag leisten besonders dann, wenn Ihnen der Tierarzt freundlicher Weise etwas von den Arzneien abfüllt, gerade so viel wie das Tier für die Gesundung braucht. Das würde den mehrfachen Gang zum Tierarzt ersparen, und wenn man nur ein einzelnes Tier hat, ist es meistens wenig sinnvoll und auch zu teuer, die handelsübliche Packung zu nehmen, die viel zu groß ist. Ganz wichtig! Bitte informieren Sie den Tierarzt darüber, wie Ihr Igel die Behandlung überstanden hat. Ich denke, viele Ärzte wissen gar nicht, wie empfindlich Igel auf manche Behandlungen reagieren.

Schmeißfliegen gehören zu den schlimmsten Feinden der Igel.

Die große Gefahr für die Igel, die von diesen Insekten ausgeht, besteht an warmen, sonnigen Tagen seit einigen Jahren von Mitte Mai bis Ende September.

Schmeißfliegen legen ihre Eier selbst an kerngesunden Tieren ab (nicht nur an Igel), die ruhig in der Sonne sitzen und nicht versuchen, die Fliegen z.B. durch Wedeln mit dem Schwanz zu verscheuchen und so die Insekten am Ablegen der Eier zu hindern.  Bei schwülem Wetter sind diese Fliegen besonders dreist. Die gelblichen Eier werden in großen Gruppen (80 Eier keine Seltenheit) abgelegt, die Eier sind etwa 1 mm lang, die kleinen fast farblosen Maden schlüpfen schon nach wenigen Stunden. Stört man die Maden, verschwinden sie mit erstaunlich schnellen Bewegungen im Fell oder zwischen den Stacheln, kriechen dann aber wieder zu Gruppen zusammen. Wenn sie fett geworden sind und die Länge von ca. 5 mm erreicht haben, scheinen sie abzufallen, um sich dann irgendwo zu verpuppen. Wo? Das weiß ich nicht, da ich alles, was ich an Larven finde, beseitige.

Leider bleiben die Fliegenlarven nicht an der Oberfläche sondern scheiden Verdauungssäfte auf die Haut des Igels ab, und da sie gemeinschaftlich “arbeiten“, entsteht ein Loch in der Igelhaut, durch das die Larven ins Innere des Igels verschwinden und dort erst von der Körperflüssigkeit leben. Das wäre für den Igel nicht so schlimm, denn die Maden brauchen Sauerstoff und bleiben dicht gedrängt in der Nähe der selbst geschaffenen Hautöffnung. Aber die vielen Maden scheiden weiterhin Verdauungssäfte ab, die dann auch die Muskulatur und andere Organe des Igels zersetzen. Die mit eingetragenen Bakterien führen zusätzlich zu Eiterbildung, der kleine Igel hat keine Überlebenschance mehr.

Die kurze Zeit zwischen Eiablage, Schlüpfen und Entwicklung der Larven, sowie das Verhalten der Larven macht, dass man keine Zeit verlieren darf, mit der Beseitigung von Eiern und Larven zu beginnen, wenn man einen betroffenen Igel  findet.

Jede Minute zählt!

Das Absammeln der Eier geht noch, aber der Anblick der Larven ruft in uns Ekel hervor, besonders jedoch die Art der Fortbewegung.

Da müssen Sie durch!“

Denken Sie daran, dass der Igel sich nicht selbst helfen kann, und der Befall mit diesen Schmeißfliegen-Parasiten für so ein kleines Tier mit Sicherheit tödlich endet.

Wenn Sie Ei-Gelege sehen, warten Sie also bitte nicht so lange bis Sie jemanden gefunden haben, der Ihren Findling übernehmen kann.

Wenn man nichts hat, sollte man als Sofortmaßnahme wenigstens die Eigelege zerdrücken, an die man mit den Fingernägeln heranreicht.

Das Schlüpfen weiterer Maden muss unbedingt verhindert werden. Entwickeln Sie “Jagdeifer“!

Flöhe und Zecken sind nicht lebensbedrohend, auch die Behandlung gegen Lungenwürmer kann fast immer warten bis der Igel sich an die neuen Lebensumstände gewöhnt hat, die Nahrung gut verträgt und keine Angst mehr vor den fremden Gerüchen oder Geräuschen hat. Das Verhalten der Flöhe kann sogar als eine Art “Thermometer“ dienen. Ist die Körpertemperatur des Igels zu niedrig, springen die Flöhe auf den Menschen ab. Ist das Tier von der Körpertemperatur o.k., passiert das nur bei einem sehr starken Befall mit diesen Parasiten. Die Igelflöhe bleiben nicht am Menschen und beißen ihn auch nicht, sie sind nur minutenlang lästig. Ein Zuviel an Zecken und Flöhen kann mit dem Lebensraum zusammenhängen, kann aber auf einen schlechten Gesundheitszustand hinweisen, auch weil die Parasiten den Igel schädigen. Mit den Lungenwürmern infizieren sich die Tiere über die Nahrung.

Von der Beseitigung von Flöhen durch Flohpuder wird zwar abgeraten, aber das hängt mit der Handhabung des Mittels zusammen. Man darf nicht das ganze Tier von oben bis unten einpudern und dann noch in seinem Häuschen verschwinden lassen, denn das Zeug beeinträchtigt die Atmung des Tieres. Für die Beseitigung der Flöhe reicht es vollkommen aus, wenn man z.B. Bolfo-Flohpuder (für Hunde, ein Kontaktgift gegen Flöhe) über 2-3 Löcher in der Streuvorrichtung einen etwa daumenbreiten Strich von der Halsgegend über den Rücken bis zum Hinterende dünn aufstäubt (Vorgang in der Badewanne ausführen, denn einige Flöhe springen ab und suchen das Weite). Nach 10 Minuten ist der Spuk aber vorbei. Um den Igel herum liegen die abgetöteten Flöhe. Hält man den Igel mit dem Rücken nach unten, kann man den größten Teil des Puders zart ausklopfen. Den Igel lässt man noch ein Weilchen in der Badewanne sitzen, natürlich nachdem man die Puderreste und Flöhe beseitigt hat. Flohmittel, die gesprüht aufgebracht werden, würde ich nicht nehmen, denn dann müsste man den Igel nach der Prozedur abduschen. Ich ziehe Puder einem Spray vor, weil ich besser übersehen kann, wo ich das Insektizid auftrage, und ich kann anschließend den Großteil zwischen den Stacheln wieder entfernen.

Zecken wechseln ihren Wirt nicht, wenn sie sich einmal an der Haut festgesaugt haben. Zur Beseitigung von Zecken kann fast jede Pinzette genommen werden, sie muss nur gut greifen. Zeckenzangen aus Plastik, wie sie oft im Handel angeboten werden, sind viel zu klobig. Aus der Igelhaut lassen sich die Quälgeister mit samt Kopf gut entfernen. Wichtig ist, dass Sie die Zecke so dicht wie möglich über der Haut des Igels ergreifen, dann können Sie den Kopf des Parasiten herausziehen. Greifen Sie zu weit oben, reißen Sie nur die Haut des Parasiten ab, bzw. den Leib. Sitzt gar eine Zecke in der Ohrmuschel oder im Gehörgang und hat sich schon voll gesaugt, stört sie den Igel bei der räumlichen Orientierung. Soll der Igel gleich wieder freigelassen werden, muss die Zecke unbedingt entfernt werden, auch wenn sie in einigen Tagen von selbst abfallen würde. Am Ohr wegen der Nähe zum Auge möglichst keine Pinzette verwenden, denn Igel ziehen sich bei Berührung ruckartig zusammen. Mit den Fingernägeln von Daumen und Zeigefinger um die Zecke bis zur Haut des Igels gefasst, lässt sich die Zecke mit einem Ruck entfernen. Ob Sie dabei eine Rechts- oder Linksdrehung oder keine machen, ist vollkommen egal, Sie müssen nur tief genug greifen.

Die Beseitigung von Lungenwürmern kann nur durch den Tierarzt erfolgen.
Alle Igel sind mehr oder weniger stark mit Lungenwürmern infiziert. Lange Zeit war fast jeder Igel, der einem Tierarzt vorgestellt wurde, bevor er zu mir gebracht wurde, gegen diesen Innenparasiten ohne vorherige Untersuchung behandelt worden nur, weil er “hustete“. Wegen starker Nebenwirkungen lasse ich Tiere unter 280 g oder gerade aufgenommene Tiere nicht behandeln, es sei denn im Igelkot wimmelt es bei mikroskopischer Betrachtung nur so von Lungenwurmlarven, und die Zahl der Bandwurmeier ist sehr hoch, und das Tier hätte so auch kaum eine Überlebenschance. Inzwischen behandeln die meisten Tierärzte Jungtiere mit einem zu niedrigem Gewicht auch nicht mehr gegen Lungenwürmer. Schwache und ängstliche Tiere überleben die Behandlung häufig nicht, denn zusammen mit der Aufregung über die Gefangenschaft und die ungewohnte Kost bricht der Kreislauf vollkommen zusammen. Bestehen keine Bedenken mehr, ist es vielleicht sinnvoll eine Lungenwurmbehandlung durchzuführen, denn während des Winters kann die Lunge ohne weitere Belastung durch die Parasiten heilen, aber sie schützt nicht vor einer erneuten Infektion. Bei einem starken Befall mit Innenparasiten werden diese zwar abgetötet, aber der Igel überlebt die Prozedur nicht, wenn er die abgestorbenen Parasiten nicht mit dem Kot ausscheiden kann. Bei Spulwürmern kann man sich vorstellen, dass sie verknäulen, den Darm verstopfen und nicht bis zum After weiter geschoben werden können. Die toten Parasiten sind absolut nicht harmlos, denn wenn sie zerfallen, werden Eiweiße freigesetzt, die den Igel vergiften.

Unter der Voraussetzung, dass die vorgeschriebene Dosis von Medikamenten auf das Körpergewicht richtig berechnet wurde, ist sie dennoch für den Igel häufig zu hoch, weil die Parasiten hauptsächlich in Lunge und Darm leben, der Anteil des Fettgewebes bei Tieren gleichen Gewichts aber sehr unterschiedlich sein kann. Berücksichtigt werden muss auch die Futtermenge, die der Igel vor dem Arztbesuch aufgenommen hat, denn sie beeinträchtigt das Gesamtgewicht des Igels oft beträchtlich.

Meiner traurigen Erfahrung nach werden Medikamente oft unterhalb der Halsregion im Bereich der Schulter nahe der Wirbelsäule in den Muskel injiziert, also genau da, wo wichtige Nerven das Zentralnervensystem verlassen. Besser geeignet für den Einstich ist die Oberschenkelmuskulatur (beim Menschen bevorzugt der Arzt auch diese Stelle am Gesäß). Bei vielen Medikamenten reicht es sicherlich aus, die Stachelhaut über den Schenkelchen anzuheben und das Zeug nur unter die Haut nicht aber in die Muskulatur zu spritzen. Durch leichtes Massieren kann man dann die Verteilung der Stoffe beschleunigen.

Ärzte sollten unbedingt eine kurze Rückmeldung bekommen, wie das Tier die jeweilige Spritze vertragen hat, denn man kann nicht erwarten, dass jeder Arzt inzwischen ein Igelspezialist ist. Es gibt viele verschiedene Medikamente gegen die Parasiten, unter denen unsere Igel leiden. Welches jeweils am besten geeignet ist, muss der Arzt aber entscheiden, und da hilft ihm die Erfahrung. Sehr gute Informationen erhält man aber bei Google “Pro Igel, Igel in der Tierarztpraxis“.

Innenparasiten haben meistens einen komplizierten Entwicklungsverlauf, der der Vermehrung dient. Ein “Wirtswechsel“ ist nicht  selten. Bei manchen Parasiten kommt auch der Mensch als Wirt in Frage. Vor Übertragung kann man sich durch dieselben Hygienemaßnahmen schützen, die eigentlich auch im Umgang mit unseren Haustieren angewendet werden sollten. Im Zweifelsfall lieber Hände und unter die Fingerkuppe unter den Nägeln noch einmal gründlich reinigen! Aber egal welche Infektionen der Igel übertragen könnte: Von Mensch zu Mensch ist die Übertragung von Erregern viel größer als vom Tier auf den Menschen und umgekehrt.

Wenn ein Igel einen deutlichen Pilz- oder Milbenbefall hat, sehe ich am ehesten die Gefahr der Ansteckung, die aber ebenfalls durch normale Hygiene verhindert werden kann. Pilz- oder Milbenbefall beim Igel wird mit Badelösungen bekämpft, über deren Herstellung der Tierarzt aufklärt.