Hilfe für Igel in Not im Frühjahr und im Sommer

In Not könnten Igel sein, wenn sie im Frühjahr und in den Sommermonaten am Tag herumlaufen, denn normalerweise gehen sie erst bei Einbruch der Dunkelheit und in der Morgendämmerung auf Nahrungssuche. Deshalb rate ich, jeden Igel, der tagsüber auffällt, erst aus einiger Entfernung zu beobachten und dann gegebenenfalls zur genaueren Betrachtung aufzuheben.

Auf der Straße herumlaufend

Hilfsmaßnahmen:

In benachbartes Gebüsch oder Garten setzen, weil der Igel nur auf Nahrungssuche ist oder aufgestört wurde

in Baugrube oder Lichtschacht gefallen, am unteren Ende der Außenkellertreppe sitzend oder im Maschendraht hängen geblieben

Hilfsmaßnahmen:
  • Tier aus misslicher Lage befreien, z.B. durch Auseinanderziehen der Maschen des Zaunes.
  • Wenn das Tier längere Zeit in diesem Notzustand war, muss es dringend auf Fliegeneier und Maden untersucht und Eier und Maden entfernt werden.
  • Wasser und Futter anbieten.
  • Sichtbare Verletzungen müssen behandelt werden, weil Blutgeruch die Schmeißfliegen anzieht.
  • Quetschungen innerer Organe, z.B. entstanden durch Strangulation beim Hängenbleiben im Maschendraht, erfordern meist Aufnahme ins Haus, damit sich das Tier erholen kann, Verhalten des Tieres beobachten, evtl. Gang zum Tierarzt

an einer Stelle lange Zeit meistens eingerollt sitzend

Hilfsmaßnahmen:

Oft nur in der Sonne sitzend, um sich aufzuwärmen.
Die Gefahr, dass Schmeißfliegen die Gelegenheit nutzen, ihre Eier auf dem Igel abzulegen, ist zwischen Mai und Ende September sehr hoch.

Tier auf der Seite liegend, meistens auch zu kalt, meistens Eigelege von Schmeißfliegen besonders im Kopfbereich sichtbar

Hilfsmaßnahmen:
  • Tier braucht dringend Hilfe, wäre schnell Beute von Krähen und Elstern, sogar höchste Gefahrenstufe und intensive Pflege daher nötig.
  • Kreislauf zu schwach, Tier in weiches, erwärmtes Tuch hüllen, Wasser einflößen, besser 10%ige Traubenzuckerlösung, (kein anderer Zucker), unbedingt vom Tierarzt Aufbauspritze geben lassen.

Ungeziefer zwischen den Stacheln: Flöhe, Zecken, gelbliche, ca. 1 mm kleine längliche Körnchen (Fliegeneier) und fast farblose dünne 1-3 mm lange Maden

Hilfsmaßnahmen:

Flöhe und Zecken sind fast immer auf Igeln anzutreffen und müssen nur, wenn sie in großer Zahl auftreten, schnell entfernt werden, Fliegeneier und Maden müssen aber sofort so gut wie möglich abgesammelt werden, ebenfalls Zecken, die im Gehörgang sitzen

Tier “hustet“

Hilfsmaßnahmen:
Ausdruck der Verärgerung, mit irgendetwas ist das Tier unzufrieden, evtl. nachschauen, was den Igel stört

Tröpfchen an der Nase

Hilfsmaßnahmen:

Nur Zeichen für Aufregung, nichts unternehmen

Tier atmet mühsam

Hilfsmaßnahmen:

Könnte Aufregung sein, ist aber auch Symptom für schwere Erkältung oder Lungenwurmbefall, Gang zum Tierarzt wegen Antibiotikum, Pflege nötig, Behandlung des Lungenwurmbefalls durch den Arzt erst wenn der Befall nachgewiesen ist, das Tier mindestens 280 g wiegt

Tier sehr klein, unter 100 g, Schnauze kurz, weil Zähnchen noch nicht voll ausgebildet

Hilfsmaßnahmen:

Nichts für Anfänger! Igelbabys kommen ohne Muttermilch nicht aus, fürs Erste müssen einige Tropfen ungesüßter Fencheltee mit etwas Traubenzucker versetzt ausreichen (auf keinen Fall eine andere Zuckerart oder Kuhmilch), in angewärmtes Tuch einhüllen und möglichst schnell Katzenmuttermilch-ersatz auftreiben in Tierhandlung oder beim Tierarzt, Pipettenfütterung nötig

fischiger Geruch

Hilfsmaßnahmen:
Ekel überwinden! Tier braucht dringend Hilfe, weil die Schmeißfliegenmaden bereits geschlüpft sind. So schnell wie möglich mit der Beseitigung der Maden beginnen!

Erläuterungen:

Igel wachen oft an warmen Tagen im März und April auf. Meistens ziehen sie sich wieder in ihr Quartier zurück und fallen auch wieder in Winterschlaf. Auffällig werden die Tiere, die nicht mehr genügend Fettreserven haben, um ihre frühere Aktivität zu erreichen und daher auf Nahrungssuche herumirren. Sie sind für ihre Größe deutlich zu leicht. Am wichtigsten ist es, den Tieren Flüssigkeit anzubieten, erst dann kleine Mengen an weichem Futter, denn zum Kauen fehlt ihnen noch die Kraft. Eine Aufbauspritze (Glucose, Elektrolyte, Vitamine) durch den Tierarzt ist sicherlich sinnvoll. Meistens ist die Körpertemperatur auch noch zu niedrig.
Da Igel eine uns ähnliche Körpertemperatur haben, fühlen sie sich in die Hand genommen, am Bauch zu kalt an, wenn ihre Körpertemperatur niedrig ist. Als Sofortmaßnahme (und eigentlich die beste Lösung) wickelt man das Tier in ein dünnes Tuch und hält es in den Händen, weil so das Anwärmen sanft und langsam erfolgt und nicht nur von der Bauchseite her. Nach einiger Zeit ist natürlich eine andere Wärmequelle nötig.

Erwachsene Igel können tagsüber anzutreffen sein, wenn starke Veränderungen in ihrem Revier aufgetreten sind, z.B. laute Geräusche durch Baufahrzeuge und bauliche Veränderungen oder intensive Gartenarbeiten zu dicht an ihrem Schlafplatz. Auch durch Hunde werden sie aufgeschreckt. In diesen Fällen brauchen die Tiere unsere Hilfe nicht, es sei denn sie sind in die Baugrube gefallen oder finden mit ihren Jungen keinen geeigneten neuen Unterschlupf. Ist der Igel nur verschreckt, wird er zunächst zusammengerollt sitzen bleiben, nach kurzer Zeit aber weglaufen, wenn Sie sich einige Schritte entfernt haben.

Jungtiere sind im Sommer öfter am Tag anzutreffen, wenn sie von der Mutter bei einem der ersten Spaziergänge getrennt oder wenn sie gerade erst abgesetzt wurden. Sie sind noch ungeschickt bei der Nahrungssuche, brauchen länger um genügend Fressbares zum Sattwerden zu finden. Unter 100 g brauchen sie auf jeden Fall Muttermilch-Ersatz und eine Wärmezufuhr als Ersatz für die Nähe der Mutter, denn erst mit mehr als 200 g Körpergewicht kann das Tier eine gleichmäßige Körpertemperatur von ca. 38 Grad selbst produzieren.

Für manche Tiere ist die Situation so kritisch, dass man alles auf einmal machen müsste: Maden und Eier absammeln, wärmen, den Tierarzt aufsuchen oder eine Igelstation ausfindig machen oder etwas zur Ernährung herbei schaffen. Maden und Eier absammeln steht an 1. Stelle. Während dieser Aktion können Sie gleichzeitig das Tier erwärmen, in dem Sie es in der Hand halten und so Ihre Körperwärme übertragen. Gleichzeitig können Sie auch noch ein Tuch erwärmen, in dem Sie es unter den Arm klemmen oder sich einfach darauf setzen. Da beim Absammeln der Parasiten immer kleine Pausen gemacht werden müssen, kann diese Zeit genutzt werden, um im Telefonbuch, im Internet nach Hilfe zu suchen oder in der Nachbarschaft Futter für das Tier aufzutreiben. Das Tier braucht oft nur Flüssigkeit, weil es dehydriert ist. Mit dem Füttern kann man noch warten.

Tiere mit Wunden sollten dem Tierarzt vorgestellt werden. Auf manche Antibiotika reagieren Igel anders als wir.
Hundebisse sind besonders schlimm. Im Rückenbereich ist meist nichts zu sehen, denn ein Fangzahn des Hundes greift in den Schlitz, der sich beim Einrollen zwischen Kopf und Körper bildet, rutscht am Unterkiefer entlang und bohrt sich unterhalb des Ohres tief in den Hals. Evtl. schwillt nur die Ohrspeicheldrüse an, aber meistens kommt es zur Eiterbildung. Beides ist schwer zu behandeln, denn das verletzte Tier lässt uns nicht an die Wunde heran. Außerdem schließen sich Wundlöcher bei Igeln sehr schnell, und man kann mit Salben nichts mehr ausrichten.

Schlimme Wunden entstehen, wenn Laubhaufen, die schon länger liegen und die sich Igel als Quartier ausgesucht haben, verbrannt werden. Schafft der Igel es, nur angesengt dem Inferno zu entkommen, würde er in Freiheit nicht überleben. Aber auch in Pflege genommen, steht ihm eine schwere Zeit bevor. Nach und nach stirbt der versengte, auf der Muskulatur lose aufliegende Hautteil ab, übelriechend, und muss entfernt werden. Die völlig ungeschützte Muskelfläche muss möglichst keimfrei gehalten werden, ein Pflaster ist schlecht anzubringen, aber mit einem Alu-Puder vom Tierarzt, unter dem sich die neue Haut bildet, kann man Wunden abdecken. Der Heilungsprozess dauert je nach Größe der Wunde recht lange. In dieser Zeit muss das Tier vor Schmeißfliegen geschützt werden. Die Wunde heilt nur von der Bauchseite her zu, die Stachelhaut auf dem Rücken trägt fast nichts dazu bei, die Wundfläche zu schließen. Das bedeutet, dass rechtzeitig eine Operation vom Tierarzt vorgenommen werden muss, um die Rückenhaut zur Bauchseite zu ziehen, damit das Tier durch die Stacheln geschützt bleibt.

Aber Achtung: Bevor Sie jemanden telefonisch um Rat fragen, müssen Sie unbedingt das Tier wiegen, denn ein Tier von 45 g wird anders behandelt und gefüttert als ein 200 g oder gar 500 g schweres Tier, und Sie müssen das Aussehen und das Verhalten beschreiben, damit Sie bei einer Ferndiagnose die richtigen Tipps bekommen.

Kein gesunder Igel liegt im Freien auf der Seite. Bauch und Beinchen wären ohne Stachelschutz, und Elstern und Krähen hätten eine gute Angriffsfläche. Nur Igel, die in Pflege genommen wurden, aalen sich, alle Viere von sich gestreckt, auf dem Bauch liegend, auf einem gewärmten Tuch.

Oft kann man nicht gut erkennen, ob ein Igel noch am Leben ist. Das gilt für Igel, die sich im Frühjahr noch im Winterschlaf befinden, das gilt aber vor allem im Sommer für junge Tiere unter 180 g, denn sie kühlen ohne die Wärme durch Geschwister und Mama im schützenden Bau schnell aus. Die Atmung, die man durch rhythmisches Anheben der Stacheln auf dem Rücken normalerweise gut erkennt, ist kaum noch sichtbar, zudem ist die Zahl der Atemzüge pro Minute bis auf wenige sinkt. Der Herzschlag ist nicht fühlbar, wenn man den Mittelfinger auf das Brustbein legt oder von unserem Pulsschlag in der Fingerkuppe nicht unterscheidbar.

Chancen, ein Tier ins Leben zurückzuführen, bestehen, wenn der Findling einige der folgenden Kriterien aufweist:

  • Er darf nicht muffelig riechen oder halb angefressen sein.
  • Der Körper sollte möglichst eingerollt sein, aber das gilt nicht für kleine Igel
  • Klare Augen sind nicht unbedingt ein Lebenszeichen!
  • Wenn sich noch ein lebendes Geschwisterchen in der Nähe aufhält, ist es manchmal möglich, das meist kleinere reglose Tier noch zu retten.